Kannst Du dich noch an das Modemgeräusch erinnern? Dieses hochfrequentierte Piepen, das Zahnplomben zum Schwingen brachte. Dieses Rauschen, das an die fernen Tage erinnerte, als im Fernsehen noch ein Programmende nebst Testbild gab ?

Es waren die ersten Tage des Internets und die frühen Vögel wählten sich mit einem Modem in das weltweite Netz ein. Ich gehörte damals dazu. Doch in meinem Bekanntenkreis schlug mir Skepsis entgegen. „E-Mails braucht kein Mensch! Für was hat der Mensch das Telefon erfunden. Und ein Brief ist viel persönlicher.“ Heute werden täglich etwa 215 Milliarden E-Mails versendet. Über das Internet hörte ich Kommentare wie „Spielzeug“ oder „Zeitverschwendung“. Selbst Robert Metcalfe, Gründer von 3Com und Erfinder der Ethernet-Verbindung, meinte: „Das Internet wird wie eine spektakuläre Supernova im Jahr 1996 in einem katastrophalen Kollaps untergehen.“ Selten lag ein Fachmann so daneben.

Warum erzähle ich das? Die nächste digitale Revolution steht in den Startlöchern und wieder höre ich Bedenken. Die Rede ist vom Internet der Dinge. Eine kurze Erklärung: Vom Internet der Dinge redet man, wenn Maschinen selbstständig mit Maschinen kommunizieren und dann Aufgaben erledigen. Wieder höre Stimme: „Mach‘ ich nicht mit. Brauche ich nicht.“

Was willst Du?

Drahtloses Leben, wireless life

Warum diese Skepsis gegenüber Neuem? Wer entscheidet, was sinnvoll und was sinnlos ist? Die letzte Frage lässt sich erstmal ganz naheliegend beantworten: Du! Oder im Marketing-Deutsch: der Verbraucher. Die eigentliche Frage muss daher lauten: „Ist das Neue für mich nützlich?“ Oder hier: „Wie kann ich das Internet der Dinge für mich sinnvoll nutzen?“

Da fällt mir sofort ein Beispiel ein: meine Heizung. Ich bin beruflich viel unterwegs und will nicht unnötig Energie verbrennen, indem ich durchheize. Genauso wenig will ich in eine eiskalte Wohnung kommen und mich erst einmal eine Stunde in eine Decke einwickeln, bis die Bude wohlig warm ist. Mein Smartphone löst das Dilemma. Sobald ich mich auf den Rückweg begebe, fahre ich die Heizung über eine App hoch. Ich spare Energie und habe trotzdem keine kalte Wohnung. Hier erkenne ich einen Nutzen für mich.

Rückwärtsrenner?

Es gibt aber auch Veränderungen, denen man sich kaum verweigern kann, selbst wenn sie einem keinen persönlichen Vorteil bringen. Viele Banken beispielweise nehmen keine Überweisungsträger mehr an. Die Alternative ist zwangsläufig Online-Banking oder ein aufwendiger Gang zum Schalter. Selbst wenn mir Geldtransfers über das Internet suspekt sind, bleibt mir bald gar nichts anderes mehr übrig. Oder: Wer weiterhin zum Musikhören auf einen Kassettenrekorder setzt, wird Schwierigkeit haben, neueste Alben zu erhaschen.

 Wenn ich mich in einem ICE befinde, ist es wenig erfolgsversprechend, im Zug nach hinten zu rennen, um nicht am Ziel anzukommen.

Auf einen Espresso

Ich finde, jeder sollte offen für Veränderung sein. Das heißt nicht, dass man jeden Trend mitmachen muss. Aber: Nach einer persönlichen Prüfung kann ich die vermeintliche Innovation immer noch ablehnen. Und wenn ich sie ablehne, nutzt die Welt sie höchstwahrscheinlich ohne mich. Denn der ICE fährt weiter, auch wenn ich nach hinten renne.